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Spandau

Berlin Spandau

Obwohl schon 1920 gegen den erbitterten Widerstand der Bevölkerung eingemeindet, hat Spandau immer ein ausgeprägtes Eigenleben geführt - gewissermaßen der größte der unzähligen Kietze, die die Millionenstadt in viele kleine Heimatbereiche aufteilen. Bis vor wenigen Jahren lasen die Spandauer noch eine eigene Zeitung, das Spandauer Volksblatt, das inzwischen jedoch in Berliner Volksblatt umbenannt worden ist.

Spandau, am Zusammenschluß von Havel und Spree gelegen, wurde als Handelssiedlung an eine Havel-Furt 1197 erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1232 Stadtrecht, geriet allerdings schon bald in den Schatten Berlins. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte, sind nur noch wenige Erinnerungen an die Vergangenheit erhalten.



Restauriert ist der Kolk, der älteste Teil der Stadt mit kleinen, schmalen Häusern aus dem 18. und 19. Jh. unweit der Spandauer Schleuse von 1910, wo schon 1732 eine Staustufe in der Havel gebaut worden war.

Das Zentrum wird beherscht von der St.-Nicolai-Kirche, einem Backsteinbau mit einem mächtigen Turm, in der ersten Hälfte des 15. Jh. über den Fundamenten des Vorgängerbaus aus dem 13. Jh. errichtet. Bemerkenswert sind der von dem Festungsbaumeister Rochus zu Lynar gestiftete Renaissance-Altar, die Barockkanzel (um 1700 für die kapelle des Potsdamer Stadtschlosses geschaffen)und ein Taufkessel (1398). Vor dem Hauptportal steht ein Denkmal des Kurfürsten Joachim II; unter
dem Reformationsplatz wurden die Grundmauern eines Dominikaner-Klosters aus dem 13. Jh. ausgegraben (ausgestellt in einem Archäologischen Keller).

An der Breiten Straße, der modernen Haupteinkaufsstraße, steht das Gotische Haus, wahrscheinlich das älteste Wohnhaus Berlins. Das Wendenschloß (Kinkelstraße 35) ist ein großes, dem historischen Vorbild nachgebautes aufwendiges Ackerbürgerhaus, typisch für Spandau im 17. Jh. Dahinter ist am Viktoriaufer noch ein über 1000 Meter langes Stück der im 14. Jh. gebauten Stadtmauer erhalten.
Das Wahrzeichen Spandaus ist die Zitadelle. Auf einer Havel-Insel hatte schomn im 12. Jh. Albrecht der Bär eine Grenzfestung errichten lassen, danach bauten die Askanier ein Wasserschloß. Von 1560 an ließ es Kurfürst Joachim II. durch Christoph Römer und den Venezianer F. Chiaranella di Gandino zu einer Zitadelle ausbauen. Das Werk vollendete Rochus Graf zu Lynar 1594. Die uneinnehmbare Festung mit vier gewaltigen Bastionen diente als Zuflucht der königlichen Familien in Kriegszeiten, als Staats-
gefängnis und als Aufbewahrungsort des sogennanten Reichskriegsschatzes: Gold im Wert von 120 Millionen Mark, das Frankreich nach dem Krieg 1870/71 als Reparationszahlung an Preußen ausliefern musste. Das Torgebäude (Kommandantenhaus) schmückt ein Wappenrelief der Landesteile Preußens, umschlungen vom Band des britischen Hosenbandordens. Der Palas, Anfang des 16. Jh. und 1821 umgebaut, stammt von 1350. Ältester Bauteil ist der Juliusturm, der ehemalige Bergfried aus dem Anfang des 14. Jh.
In der Zitadelle ist das Heimatmuseum untergebracht (geöffnet Di-Fr. 9-17 Uhr, Sa und So 10-17 Uhr). Durch den schönen Park längs des Wassergrabens führen romantische Spazierwege.

Sehenswert ist im Westen der Altstadt Spandaus die Siedlung Staaken, eine gemäß englischem Vorbild nach dem Ersten Weltkrieg mit 1200 Häusern angelegte Gartenstadt, noch heute ein Vorbild für humaneres Wohnen. Ein Pendant dazu ist im Osten die Siemensstadt, 1929/31 für die Arbeiter von Siemens & Halske im westlichen nach Plänen von Hans Scharoun gebaut. Die Großsiedlung mit fünfstöckigen Mietshäusern gilt als herrausragendes Beispiel für den sozialen Wohnungsbau im Berlin der ersten Nachkriegszeit, der allerdings durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 abrupt gestoppt wurde.

Im Norden dehnt sich der Stadtforst mit zahlreichen idyllischen Moorgebieten. An der Schönwalder Allee steht das Evangelische Joihannesstift. 1858 von Johann Wichern in Moabit als Stätte praktischer christlicher Nächstenliebe gegründet, wurde es 1910 hierher verlegt.

Im Südwesten Spandaus beginnt die Gatower Heide, ein 350 Hektar großes Naturschutzgebiet mit vielen Spazierwegen. Die Landgemeinde Gatow selbst wurde 1920 mit Spandau wereinigt, hat aber bäuerlichen Charakter behalten. Der Kern des alten Angerdorfes mit der mehrfach umgebauten, innen sehr nüchternen Feldsteinkirche (sehenswert ein Epitaph von Martin Wins) ist noch gut zu erkennen.

Kladow

Am westlichen Havel-Ufer gelegener Villenvorort, ehemals eine slawische Siedlung und später im Besitz des Spandauer Nonnenklosters.

Erhalten sind noch einige Bauernhäuser mit klassizistischen Stuck-Fassaden. aus dem 14. Jh. stammt die Dorfkirche, die 1818/19 in gotisierendem Klassizismus umgebaut wurde. Von der Inneneinrichtung aus dieser Zeit ist nur noch der Orgel-Prospekt erhalten.

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